Warum sollte ich kein Kitten vor 12 Wochen zu mir holen?

 

Über dieses Thema aufzuklären ist eine ganz besondere Herzensangelegenheit und eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das wichtigste Thema überhaupt. Eines vorab: Ein seriöser Züchter gibt seine Kitten NIEMALS vor Abschluss der 12. Lebenswoche ab. Solltet ihr also ein "Angebot" von einem jüngeren Kitten haben, gilt es da SEHR genau hinzusehen und nachzuforschen, warum das so ist!

 

Jedes Kätzchen durchläuft (oder sollte dies zumindest) in den ersten Lebenswochen die sog. "Sozialisierungsphase". In dieser Zeit lernen die Kätzchen eine ausgeglichene und liebenswerte Katze zu sein, wie wir sie uns wünschen. Sie lernen wie man sich als Katze in einer Gruppe verhält, dass man den Menschen nicht beißt und dass man keine Angst vor ihm haben braucht. Die Kitten werden von der Mutter erzogen und gemaßregelt, beim gemeinsamen Spiel mit ihren Geschwistern lernen sie, wie weit sie gehen dürfen und wie wild gespielt werden darf. Von den anderen Katzen in der Gruppe lernen sie die Rangordnung. Sie lernen natürlich auch das Katzenklo zuverlässig zu nutzen und viele andere wichtige Dinge, die sie überwiegend von der Mutter und anderen im Haushalt lebenden Katzen abschauen, natürlich auch mit Unterstützung vom liebevollen Menschen, der sich um sie kümmert.

 

Wenn ein Kätzchen dann bereits vor Abschluss der 12. Lebenswoche von der Mutter und seinen Geschwistern getrennt wird, ist diese Sozialisierung noch nicht abgeschlossen und dem Kitten wird die Möglichkeit genommen, eine zutrauliche und optimal sozialisierte Katze zu werden. Es kann passieren, dass das Kitten sich nicht von euch anfassen lassen mag, sein Katzenklo nicht zuverlässig benutzt und euch aus Angst sogar kratzt oder beißt. Meist brauchen diese Katzen Monate oder sogar Jahre, um richtig Vertrauen zum neuen Besitzer zu fassen. Oft wissen solche Katzen auch nicht, wie sie mit anderen Katzen umgehen müssen und lassen sich dadurch schlechter vergesellschaften, als gut sozialisierte Katzen. Vielleicht trauert das Kitten auch sehr seiner Mama und seinen Geschwistern hinterher, weil es noch gar nicht bereit war, von diesen getrennt zu werden. So ein "Schock" kann ein Kitten so sehr traumatisieren, dass man ihm dies sein restliches Leben lang anmerken wird.

 

Da Kitten mit ca. 8 Wochen "teuer" im Unterhalt werden, weil sie anfangen richtig zu essen, erzählen viele Verkäufer die Geschichte, dass die Kitten von der Mutter verstoßen wurden. Glaubt bitte nicht alles was man euch erzählt! Wenn jemand sagt, dass die Katze, die ihre Kitten wochenlang umsorgt, gefüttert und erzogen hat, sich ganz plötzlich nach 7 oder 8 Wochen von den Kätzchen abwendet, dann ist da irgendetwas sehr schief gelaufen oder es ist vielleicht sogar eine Lüge. Bei solchen Geschichten solltet ihr sehr genau und ausführlich nachfragen und hinsehen.

 

Das Argument "mit 8 Wochen sind sie aber noch viel süßer" sollte auch nicht zählen. Jeder der ein Kätzchen ab der 13ten Woche bei einem guten Züchter gekauft hat, wird bestätigen können, dass seine Kitten genauso drollig und verspielt waren. Auf ein paar Wochen mehr oder weniger kommt es nun wirklich nicht an, denn ihr habt euer Kätzchen ja noch hoffentlich die nächsten 20 Jahre bei euch.

Ermöglicht eurem Kätzchen ein Leben voller Spaß, Spiel und Liebe, aber auch dass es ein gut sozialisiertes und liebenswertes Tier werden darf. Gönnt ihm dazu seine Mutter mindestens 13 Wochen lang, denn die meisten Mütter wenden sich dann sowieso langsam von ihren Kitten ab, lassen sie nicht mehr trinken und entlassen sie somit in die Selbstständigkeit. Das ist der richtige Zeitpunkt sie abzuholen - und das dann auch mit einem guten Gewissen.

 

PS: Natürlich gibt es auch schlimme Schicksalsschläge wo die Mutter stirbt, die Kitten wirklich nach der Geburt verstößt etc. Aber da ist es am Züchter, die Kitten durchzubringen und evtl. durch die anderen Katzen in der Gruppe zu sozialisieren, nicht die Verantwortung auf den Käufer abzuschieben! Und selbst in diesen Fällen werden Kätzchen grundsätzlich nicht vor der 12ten Lebenswoche verkauft.          

Selina Hofmann